
Warum ich aufgehört habe zu trinken
Nüchtern betrachtet: Wie eine Reise nach Asien und ein Vipassana-Kurs in Kolkata mein Verhältnis zu Alkohol verändert haben.
Mein letztes Jahr war ganz anders als all die anderen davor. Seit ich 14 bin, gehörte Alkohol für mich und alle meine Freunde zum Wochenende, zum Erwachsenwerden, zum Feiern. Bis sich etwas verschoben hat.
14 Jahre lang gehörte das einfach dazu
Ich hatte tolle, nein die besten Nächte: durch Clubs, Kneipen und Straßen schlendern, unsere Freiheit feiern, sich gegen Eltern und Gesellschaft auflehnen, indem man Wochenenden auf Spielplätzen mit billigem Bier und Sangria verbrachte. Wie sollte man neue Freunde finden, wenn nicht beim vierten Bier? All das habe ich getan und keine einzige Nacht bereut.
Etwas hat sich verschoben
Aber irgendwann wiederholten sich die Nächte immer und immer wieder. Es brauchte einige Jahre, bis mir der Zustand bewusst wurde. Nach und nach gab es keinen Kick mehr, kein überwältigendes Gefühl, kein Spaß – nur noch das Gefühl der Betäubung am Ende der Nacht. Gefolgt von einem Kater, der manchmal das ganze Wochenende dominierte.
Asien und Vipassana
Ich musste nach Asien reisen – Birma, Kambodscha, Indien – um mein Verhaltensmuster zu ändern. Als ich in Kambodscha ankam und den Partytourismus sah, fühlte ich mich bereit für eine Trinkpause. Später besuchte ich einen Vipassana-Meditationskurs in Kolkata. Von da an war alles klar: in jedem Moment einen bewussten Geist zu haben, ist kein Kampf, sondern ein Glücksfall.
Bewusst statt betäubt
Nach drei Monaten Abstinenz bemerkte ich, dass ich aufmerksamer und wachsamer war. Ich spürte rückwirkend, wie sehr Alkohol Körper und Geist eingetrübt hatte. Erst dann wurde mir klar, wie abhängig unsere Gesellschaft und unser Leben von diesen Flüssigkeiten ist – und wie sehr man sich rechtfertigen muss, wenn man nicht mitmacht. Manchmal vermisse ich diese Nächte. Aber dann fühle ich mich einfach so wohl, am nächsten Morgen klar aufzuwachen und mich an alles erinnern zu können.
Bewusst statt betäubt zu sein macht das Leben so viel energiegeladener – nicht nur körperlich.
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